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BI Erhalt Wäldchen und Grüngebiet an der Helios/HSK

Februar 2021

Wahlprüfsteine zur Ortbeirats- und Stadtverordnetenwahl 2021

Sehr geehrte Kandidat:innen für die Wahl des Ortsbeirats und der Stadtverordnetenversammlung,

als Bürger- und Anwohnerinitiative „Erhalt des Grüngebiets und Wäldchens an der Helios HSK“ setzen wir uns für ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet und Biotop ein. Wir haben ca. 160 eingeschriebene Mitglieder und Anwohner. 555 Unterstützer:innen aus Freudenberg und Schierstein haben 2018/2019 unseren Offenen Brief an die Helios und GWW unterschrieben.

Am 14. März 2021 ist Kommunalwahl. Wir bitten Sie deshalb Ihre Stellungnahme zu den folgenden zwei Fragen per Mail an die Verfasser dieser E-Mail zurückzusenden.

  1. Wie Sie sicher schon erfahren haben, planen Helios und GWW 2021 ein ausgewiesenes Biotop und Kaltluftentstehungsgebiet mit Betriebswohnungen und Häusern zu bebauen, und das im Zeitalter des erklärten Klimanotstandes. Werden Sie sich für den alternativen Bau der Betriebswohnungen auf bereits versiegelten Flächen des Klinikgeländes oder die Einrichtung in bestehenden Gebäuden der Klinik einsetzen?
  2. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass der von der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung am 27.06.2019 erklärte „Klimanotstand“ (19-F-50-0001, piwi) über Absichtserklärungen hinausgeht und praktische sowie justiziable Ausführungsbestimmungen erhält?

Den Bürger:innen von Dotzheim-Freudenberg und Schierstein sind diese Themen von großer Bedeutung und können ggf. wichtig für ihre Wahlentscheidung sein.

Deshalb bitten wir Sie, Ihre Antworten – in kurzer Form (JA/NEIN) oder auch kurz erläuternd – uns zeitnah zuzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Sprecherrat BI „Erhalt Grüngebiet und Wäldchen an der Helios HSK“
Jörg Brandt, Meike Kiesow, Albert Meyer, Achim Müller, Bernhard von der Recke

Kontakt, per E-Mail:


Die Dotzheimer Initiative verfolgt das Ziel, ein Kalt- und Frischluft-Entstehungsgebiet und Arten-Biotop auf dem Freudenberg zu retten.


Einen Einstieg in die Arbeitet der BI bietet folgende Präsentation:
Erhalt Wäldchen und Grüngebiet HSK: EinstiegPDF
Eine ausführliche Präsentation zur Thematik finden Sie hier:
Erhalt Wäldchen und Grüngebiet HSK: nachhaltige, lokale KlimapolitikPDF

Dieses Grüngebiet besteht aus einem über 40 Jahre alten Wäldchen und einer ökologisch bedeutsamen Ruderalflur. Es wurde beim Bau der alten HSK als grüne Ausgleichsfläche angelegt und hat klimatische Bedeutung sowohl für den überhitzten Stadtteil Freudenberg als auch für die Kaltluftversorgung von Wiesbaden-Biebrich und -Schierstein.

Nun will dort die Helios/HSK Wohn- und Nutzbauten mit bis zu 7 Geschossen errichten, die das Kaltluft-Entstehungsgebiet versiegeln und seine ökologische Wirkung zerstören würden. Sie begründen ihre Absichten damit, dass sie durch den Bau von Wohnungen neue Pflegekräfte für die Klinik anwerben könnten. Es gibt berechtigte Zweifel daran, ob dieses Wohnprojekt, an diesem für die Ökologie des Stadtteils sensiblen Ort, den tatsächlichen Notwendigkeiten einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung gerecht wird.

Erste Baupläne sahen starke Einschnitte in das Wäldchen vor. Aufgrund des Protests unserer Anwohnerinitiative wurden die Pläne geändert, jetzt ist „nur noch“ eine verdichtete Bebauung des als Kaltluftentstehungsgebiet und zur Biotopvernetzung nötigen Grüngebiets geplant.

Diese Grünausgleichsfläche ist nach wie vor öffentliches Eigentum der Bürger der Stadt Wiesbaden. Wir fordern von den verantwortlichen Politikern und Planern:

Stoppen Sie die weitere Versiegelung von Kaltluftentstehungsgebieten auf dem Freudenberg! Mit dem Neubau der HSK, der Klinik Zwerg Nase und dem Bau des neuen Dotzheimer Gymnasiums werden hier schon genug Grünflächen zugebaut!

Es gibt umweltfreundlichere Bau-Alternativen auf bereits versiegelten Flächen der HSK! Prüfen Sie diese und machen Sie Ernst mit den Versprechen der Wiesbadener Klimapolitik! Helfen Sie uns, dieses für die Zukunft des Stadtklimas wichtige Grüngebiet vor der „kurzsichtigen Bauwut“ der Helios/HSK zu retten!


An dieser Stelle finden Sie die, oben bereits erwähnte, Präsentation zum Einstieg noch einmal aufbereitet:

Luftbild_Ausschnitt_Waeldchen_und_Gruenflaeche_HSK1
Um diese 27.000 m2 Grünfläche mit Wäldchen, gleich neben den HSK-Gebäuden, geht es. Das Gebiet ist eine Ausgleichfläche für den Klinikbau 1979. In der Mitte: der Hunschrauber-Landeplatz.

Für den Erhalt des Wäldchens und Grüngebiets im Siedlungsgebiet
Dotzheim-Freudenberg


Die Bebauungsplangenehmigung zum Gesamt-Gelände der HSK erfolgte vor über 40 Jahren (1979/1).
Zwischenzeitlich sind gravierende Veränderungen eingetreten, die die Frage aufwerfen, ob diese ursprüngliche Genehmigung noch Bestand haben kann.


Aus unserer Sicht gilt es, die Bebauungsvorhaben – wegen der Folgen für das Mikroklima des Gebietes und für das regionale Stadtklima – neu zu bewerten.

Luftbild_HSK_mit_Grundriss1
Grundriss für 7 Wohntürme (5/6-geschossig), 2 Wohnriegel und eine KiTa.

Das Wäldchen und das es einschließende Grün, ein sich seit 40 Jahren selbst überlassenes Stück Natur -, wurde kartiert als Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiet, als „Fläche mit unverzichtbarer Bedeutung für die Belüftung Wiesbadens“.

Gerade heute sind solche Flächen unersetzlich.

Hat die Stadt Wiesbaden 2019 auch zur Rettung solcher
Grünflächen den Klimanotstand ausgerufen?


Umweltamt Wiesbaden,
Digitaler Landschaftsplan. Klimafunktionskarte 2017.


Bauten – und mögliche weitere Planungen auf dem Gebiet der Kaltluftzone und des Biotops?

Weitere Bauplanungen in der Umgebung der HSK?

Der Bau von 8 Wohntürmen und 2 Riegeln auf die verbliebene Grünfläche würde die ökologische Situation nochmal deutlich für Anwohner und Klinik verschlechtern!

=> Weitere Planungen zur Erweiterung eines „Gesundheitsstandorts“ Helios/HSK?!


Die „KLIMPRAX“ – Studie
(2018) für Wiesbaden und
Mainz

Ein Warnsignal?


KLIMPRAX-Studie 2018
Darstellung von Temperaturen und Modell-Vorhersagen für

a) 1971 – 2000
b) 2031 – 2060

Untersuchung der Veränderung von:
Sommertagen = Tage mit Temperaturen ≥ 20°C
Heiße Tagen = Tage mit Temperaturen ≥ 30°C
Tropennächten = Nächte mit Temperaturen ≥ 20°C

Umweltamt Wiesbaden, Digitaler Landschaftsplan. Fachgutachten Stadtklima (Klimprax Studie): Tropennächte 2031-2060.

Anwohner, aber auch die Patienten und Beschäftigten der Helios/HSK wären davon betroffen.


Fazit:

  • Bei den Bau-Planungen sind keine alternativen Überlegungen angestellt worden. Das ist jedoch Standardverfahren bei Planungsprozessen.
  • Es gibt aus unserer Sicht bereits versiegelte Flächen auf dem Gelände der Helios/HSK, auf denen ohne weitere klimaökologische und artenschutz-bezogene Schäden die Gebäude platziert werden können!
  • Der von den Fraktionen der Grünen, SPD und Linken im Jahr 2019 erklärte „Klimanotstand“ muss auch in dieser Hinsicht praktische Folgen haben.
  • Ein Masterplan zur Entwicklung des gesamten Geländes, der auch ökologische Aspekte für das gesamte Wohnviertel einbezieht, ist nicht erkennbar.

Ökologisch sinnvolle Optionen für eine andere Wohn-Bebauung

Warum die Bebauung der Grünfläche innerhalb des Wäldchens planerisch keine gute Idee ist.

  1. Umbau der bestehenden Bettenhäuser (eines Teils)
  2. Überbauung eines Teils der bestehenden Parkplatzflächen
  3. Umbau/Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes
  4. Warum die Bebauung der Grünfläche innerhalb des Wäldchens planerisch
    keine gute Idee ist.

Besser: bereits versiegelte Flächen bebauen!


Überbauung bestehender Parkplätze an der Ludwig-Erhardt Straße

Idee: Errichtung einer ein- oder mehrgeschossigen Tiefgarage, darüber Wohnblöcke und Grünanlage. Die vorhandenen Bäume können auf den nicht ausgeführten Grünstreifen umgepflanzt werden. Unserer Einschätzung nach geht das, da diese im Durchschnitt nicht sehr groß sind.

+ Eine ökologische wertlose Fläche wird sinnvoller genutzt.
+ kurze Wege zur Klinik, Nähe zur öffentlichen Verkehrsmitteln.
+ Das fallende Gelände ermöglicht eine einfache Zufahrt ohne Rampe.
+ Der Erdaushub hält sich bei einer eingeschossigen Tiefgarage in Grenzen.
+ Lärmminderung, da die Parksuche im Gebäude stattfindet.

– Wohnen und öffentlicher Betrieb nutzen die gleichen Zufahrtswege.
– Wohnen und öffentlicher Betrieb sind nicht klar getrennt.

Bemerkung: Es wird überall untersucht, ob man die Parkplätze von z.B. Discountern mit Wohnung überbauen kann.


Umbau der bestehenden Bettenhäuser (eines Teils)

Idee: Erhalt nur der Bettenhäuser (oder eines Teils), Sanierung, Umbau zu Wohnungen.

+ Im Grunde intakte Gebäude können kostengünstiger zu Wohnungen umgebaut werden.
+ Erhalt ist wesentlich umweltfreundlicher als Abriss => umweltgerechte
Entsorgung erforderlich, Recycling!
+ kurze Wege zur Klinik
+ Selbst, wenn man in 40 Jahren die „Spiegelfläche“ für einen Neubau bräuchte, so sind 35 Jahre Nutzungsdauer sehr lang. Man hätte Zeit, Wohnungen zum Beispiel auf der Fläche von Variante 1 zu bauen.

Bemerkung: Das Deutsche Architekturmuseum hat auf die Wertigkeit und den guten Zustand der Gebäude in einem Brief hingewiesen. Es geht bei obigen Vorschlag jedoch nicht um die Architektur des Klinikums, sondern um eine ökonomisch sinnvolle Weiternutzung. Der Abriss und die Entsorgung ist auch ökologisch eine verheerende Maßnahme.


Umbau/Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes E

Idee: Abriss (Teilabriss) des Wirtschaftsgebäude E und darauf und die zugehörigen Parkflächen die Wohnungen bauen.

Die Kita könnte man nahe des ehem. Hubschrauberplatzes bauen oder im Randgebiet (wie jetzt auch geplant) ohne in die bestehende Grünfläche einzugreifen.

+ Recht gute Trennung von Betrieb und Wohnen
+ Kurzer Zufahrtsweg, Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln